Memetic Turn, 5.4.2012:

Piratenpartei

Joerg Blumtritt.

There must be a beginning of any great matter, but the continuing unto the end until it be thoroughly finished yields the true glory.Francis Drake

Ich bin froh, dass ich Mitglied der Piratenpartei bin. Wenn ich es nicht schon wäre, würde ich heute eintreten. Das ist mir beim Lesen des Handelsblattes klar geworden, wie schon lange nicht mehr.

“Mein Kopf gehört mir” – unter diesem Titel geben hundert “Schriftsteller, Sänger, Künstler, Werber, Softwareentwickler und Unternehmer” im Handelsblatt ihre Gründe an, warum sie glauben, dass die Piratenpartei ihr Gegner sei, uns zwar wegen der “Umsonstkultur im Internet”.

Goethe als Abziehbild vorne drauf. Der Titel, der sich auf “Mein Bauch gehört mir” bezieht, ist ein ekelergegendes Spiel, mit dem die Not und die ethischen Konflikte von Frauen vor einer Abtreibung ins Lächerliche gezogen werden. Ich möchte gar nicht weiter auf diesen menschenverachtenden Zynismus eingehen, aber er spricht Bände über den verkommenen Seelenzustand der Verfasser dieses Textes. Dabei kenne ich nicht wenige der hundert Leute persönlich, die da im Handelsblatt gegen die Piratenpartei polemisieren, mit einigen hatte ich auch geschäftlich zu tun.

Ich arbeite seit fünfzehen Jahren für die Werbewirtschaft und die privaten Medien – und zwar überzeugt. Umso trauriger macht es mich, dass meine Branche offenbar so wenig anpassungsfähig ist. Schade, dass weder Google, noch Facebook, weder Twitter noch Spotify, weder Instagr.am noch git.hub von einem Medienunternehmen erfunden wurden. Aber das sind die Orte, an denen heute unsere Kultur geschöpft wird, die ‘Kostenloskultur’, wie sie von den Angestellten und Krämern der Kulturindustrie geschmäht wird.

Ich halte mich für einen politischen Menschen. Und ich hatte es dennoch nie geschafft, mich in einer politischen Partei zu engagieren. Die Parteien, wie sie waren, empfand ich als eng und wenig durchlässig.

Durch das repräsentative System findet dort politsche Arbeit praktisch nur per Delegation statt, über Kreis- und Bundesdelegierte, per Vertretung durch Referenten, durch Experten in der Parteizentrale. Und auf Parteitagen stimmen dann die Kreisdelegierten über die vorbereiteten Entwürfe ab.

Politik hat für die bestehenden Parteien offenbar auch das ausschließliche Ziel, an die Regierungsmacht zu gelangen – Koalitionen werden um jeden Preis geschlossen, die innersten Werte der Parteien auf dem Altar der Macht geopfert. Seit der Regierung Schröder sind die Grünen daher für mich unwählbar geworden.

Und schließlich: die Programme der bestehenden Parteien spiegeln meine Lebenswirklichkeit nicht wieder. Die Dinge die mir wichtig sind, finde ich dort nicht. Im Gegenteil – meine Kultur wird offenbar als Bedrohung empfunden, was ich als meine Bürgerrechte sehe, ist für die andern nur “Rechtsfreier Raum”, der natürlich genauso zusammengestutzt werden muss, wie die spießigen Vorgärten, für die mein Land weltweit berühmt ist. Gartenzwergkultur.

Was mich an der politischen Theorie der Piratenpartei fasziniert, habe ich oft gepostet. Seit einigen Monaten möchte ich erleben, wie daraus Praxis wird.

Ich möchte unserer Gesellschaft helfen, die anstehenden Veränderungen ohne große Schäden zu überstehen. Und ich habe auch die Hoffnung für meine Branche noch nicht verloren, die Medien und Werbung.

Deshalb habe ich mich entschlossen, dem Kommando “Klarmachen zum ändern” zu folgen.
Deshalb bin ich Mitglied in der Piratenpartei.



26 Responses to “Piratenpartei”

  1. Fred vom Jupiter Says:

    Vorallem was Franka Potente da von sich gibt ist unglaublich.

  2. soundso Says:

    “Und ich hatte es dennoch nie geschaft, mich in …”

    da fehlt ein f

  3. jbenno Says:

    danke. Hab es verbessert.

  4. Es ist ein Kulturwandel | cdv! Says:

    […] ermöglicht, bis hin in die Politik. Und nun besonders dort. Jörg Blumtritt hat erst kürzlich seinen Weg durch die Parteienlandschaft und seinen Schritt zur Piratenpartei eindrucksvoll […]

  5. ein weiterer Kopf Says:

    Oh ein Mensch aus der Werbebranche, super – was passiert denn wenn Sie mit viel Aufwand für einen Kunden eine Werbekampagne entwickelt haben ? Mit mehreren Menschen, mit viel Schweiß und Ideenreichtum und mit wahnsinnig viel Arbeit – und dann komm ich – als Mitglied der Piratenpartei sehe den fertigen Film und sage – wow wie geil ist der denn ?? Und schwupps klau ich mit ihren Film und ihr Konzept – werde selbst bei dem Kunden vorstellig und verkaufe ihm die ganze Geschichte für die Hälfte von ihrem Preis 🙂 🙂 🙂 – na wenn das arbeiten unter der Piratenpartei dann so einfach ist und man nur noch den richtigen Augenblick abwarten muss wenn andere die Arbeit getan haben – dann wähl ich die doch sofort 🙂 Meine Frage ist nur was Sie als Betroffener dazu sagen ? Sagen Sie dann immer noch : Ja ist ja ok – alles was wir kreativ erstellen ist halt Gemeingut – kein Problem ???

  6. ein weiterer Kopf Says:

    Ein anderes Beispiel – da gibts einen Gärtner, er hat ein paar Obstbäume gepflanzt – also zuerst hat er sie gekauft, dann gepflanzt und dann mit viel Liebe und Hege und Pflege groß gezogen – in dem Jahr als sie besonders dicke lecker Früchte tragen freut er sich ganz besonders, endlich wird seine Mühe belohnt, sogar so sehr das er sie gut wird verkaufen können und sich davon die Familie wieder gut ernähren kann. Eines Morgens sind alle Äpfle und so weiter weg :O – ein einzelnes Mitglied der Piratenpartei steht noch angelehnt an einen Baum und ißt genüßlich den letzten leckeren Apfel. Der Bauer schmimpft los : Das waren meine Äpfel verdammt – ihr habt sie mir gestohlen” – daraufhin sagt der Pirat “Nein wie kommen Sie denn da drauf ? Die Äpfel hingen hier halt frei rum und waren für jeden zugänglich – in dem Augenblick ist das halt für alle frei. Im nächsten Jahr macht der Bauer einen Zaun um sein Grundstück – als er eines Morgens wieder in seinen Garten geht sind wieder alle Äpfel weg, wieder steht der eine Mann dort und verzehrt genüsslich den letzten Apfel. Wieder schimpft der Bauer “Diesmal waren die Äpfel nicht frei zugänglich, ich hatte einen Zaun um mein grundstück gemacht.” der Pirat erwidert “Sorry aber das war für uns nicht erkenntlich jemand hat auf der einen Seite den kompletten Zaun weggerissen”

    … schönes neues Leben mit der Piratenpartei – ich bin gespannt was passiert wenn der erste Kreative an der Wohnung eines Piraten klingelt – hineinspaziert und mit seinem Flachbildschirm wieder hinausspaziert !!! ..

  7. Spider Says:

    @ ein weiterer Kopf

    Zum ersten Beispiel:
    1. Wenn Sie den Film klauen, begehen Sie ja schon eine strafbare Handlung.
    2. Der Kunde wäre schön blöd den Film für die Hälfte des Preises abzukaufen, da er
    üblicherweise schon vertraglich an die Werbefirma gebunden ist und somit das 1,5-fache bezahlen würde.

    Zum zweiten Beispiel: Äpfel sind Gegenstände an denen man Besitz (man hat es, also den Gegenstand) und Eigentum (es gehört mir) erhalten kann. Die Piratenpartei möchte Besitz und Eigentum nicht abschaffen.

    Vielleicht wäre es besser keine komischen Analogien zu verwenden. Die sind oft recht schnell widerlegt und helfen keiner Seite wirklich weiter. Mich würde sehr interesieren, wovor Sie konkret Angst haben! Solche absträkten Beispiele helfen keinem weiter.

  8. ein weiterer Kopf Says:

    Ganz genau – wenn der Film geklaut wird ist das eine strafbare Handlung – warum will die Piratenpartei dieses Recht abschaffen? Wenn der Film unvergütet weiterverteilt wird und jemand diesen Werbefilm ins Internet stellt so das ihn jeder sehen kann, am besten noch die Werbebotschaft herausgefiltert – warum sollte das dann erlaubt sein ? Ich fand die Piratenpartei mal cool – aber seitdem die kleinen Kreativen und Künstler in diesem Land, die eh kaum was zu beißen haben, von der Piratenpartei und allen anderen Anonymois Anhängern niedergemacht werden und Ihnen das Recht ihr Leben zu leben abgesprochen wird ist diese Partei nur noch ein Schandfleck …

  9. Spider Says:

    @ ein weiterer Kopf:

    Ich verstehe Ihre Aufregung nicht. Ich versuche das nochmal an Ihrem Beitrag (Nr 5) klarzumachen.

    Wenn Sie für einen Kunden eine Werbekampagne entwickelt haben, dann haben sollten Sie einen Vertrag mit diesem Kunden haben. D.h. Sie bekommen das Geld von Ihrem Kunden. Das kann Ihnen erstmal niemand nehmen.

    Das Know-how, wie Sie diese Werbekampagne aufgestellt haben, werden Sie ja üblicherweise nicht an den Kunden weitergeben. Das kann Ihnen auch so schnell niemand nehmen. Das würde ich als Ihr Geschäftsmodell sehen.

    Sagen wir mal, Sie haben für diese Werbekampagne einen Film hergestellt und dieser ist für Sie unheimlich wertvoll. Dann sollten Sie aber konsequent genug sein, diesen zu sichern und vermutlich
    auch zu versichern. Die Museen machen das auch mit Ihren Gemälden.

    Sobald Sie Ihren Film aber an den Auftraggeber abgegeben haben, erlischt sowieso ein Großteil Ihrer Rechte. Zumindest würde ich es Ihrem Auftraggeber raten, dies in den Vertrag zu schreiben. Wie sollte dieser sonst das Video weiterverbreiten?

    Falls Sie zuwenig Geld für Ihre Arbeit bekommen, sollten Sie bessere Verträge mit Ihren Kunden aushandeln. Falls das nicht geht: Niemand zwingt Sie, Künstler zu sein!

  10. M Says:

    Wenn ich einen Apfel essen, dann ist er dannach WEG. Nicht mehr da, niemand anderen kann ihn nutzen. Ich habe ihn aufgebraucht.

    Ausserdem: Musik o.ä. für meine eigenen Bedarf zu kopieren ist mein GUTES RECHT. Warum? Bezahle ich keine GEMA-Gebühr für meine Rohlinge und meinen USB-Stick?
    Doch.

    Was auch immer der Medienindustrie passieren mag: Diese Art von Lobbying ist wirklich ekelhaft. Diese Habgier, die riesige Angst, es könne einem auch nur ein Cent Umsatz verloren gehen.

    Bei dem Gejammer der Content-Verwerter nicht vergessen: Jammern ist die erste Unternehmerpflicht in Deutschland.

  11. KleinerKreativer Says:

    @ein weiterer Kopf

    In der Praxis gibt es längst kein Urheberrecht mehr. Die Verwerter haben es vollständig ausgehöhlt und dem Urheber nur die Hülle gelassen, wie es Mario Sixtus auf Twitter trefflich formulierte. Dass man fette Konzerne für ihre Langsamkeit auch noch alimentieren muss, bezweifle ich. Die haben über Jahre hinweg gepennt. Heute scheffeln Unternehmen wie Amazon und Apple Milliarden über innovative Vertriebsstrukturen, die etablierte “Urheber” auch hätten entwickeln können. Kleine Kreative haben in der jüngeren Vergangenheit mehr Verdienst-Optionen gewonnen als verloren. Das gilt besonders für die, die vorher keine Chance auf Publikation hatten. Das hat gar nichts mit Enteignung zu tun; das ist Marktwirtschaft.
    Die Forderung, Bürger von Staat und Unternehmen ausspähen zu lassen, nur damit einzelne Interessensgruppen ihren nichts-tuenden Aktionären mehr Dividende ausschütten können, zeugt weder von Anstand noch von Vernunft. Aber was erwartet man nach einem dämlichen Claim wie “Mein Kopf gehört mir”?

  12. teamlambchop.de » MS Content – Ein blinder Passagier Says:

    […] Joerg Blumtritt SPON: 102 Piraten für ein neues Urheberrecht W&V: 101 Piraten gegen das Handelsblatt Google-News zum Thema Share TwitterDiggFacebookDeliciousStumbleUpon […]

  13. Piratenpartei: 101 Piraten gegen das Handelsblatt Says:

    […] Piratenpartei und Nichtunterzeichner bei der Antwort auf die Handelsblatt-Kampagne, schrieb sich in seinem Blog den Ärger von der […]

  14. Gromit Says:

    ein +, ein i like und ein tweet für diesen Artikel. Und ich dachte schon ich bin allein ^^

    werde einen re-link in meinen post packen.
    http://www.neunzehn74.com/blog/?p=749

  15. Urheberrecht. Offener Brief Tatort Autoren und Antwort des CCC | neunzehn74.com Says:

    […] am 05 April kommt noch das hier hinzu: http://memeticturn.com/piratenpartei/  Nach dem Handelsblatt Artikel “Mein Kopf gehört mir” eine passender Kommentar. Meine […]

  16. ein weiterer Kopf Says:

    Es ist und bleibt Diebstahl und es ist VOLLKOMMEN unsinnig so etwas damit zu vergleichen das man einen Apfel aufisst – was für ein Quatsch – einen Fernseher nutze ich auch nur einmal zum gucken und schmeiß ihn dann weg oder wie ? Genau die kleinen Urheber kommen hier unter die Räder und genau das ist es was die Piratenpartei jetzt ausmacht, sie stellt sich mit allen Befürwortern auf die Seite der Großkonzerne wie Google, und drückt damit durch das die Gema die für ihre Rechteinhaber nur das wohlverdiente Geld einholen soll unter Beschuss gerät. Das Google Millionen scheffelt mit dem unfreiwllig hochgeladenen Content anderer das ist den Piraten auf einmal egal – Pfui sag ich da nur.

    Der kleine ist derjenige de hier betroffen ist. Der Produzent der 800 € für eine Produktion ausgibt (Fotoshooting, Studioaufnahme, Vocal Coaching, Mastering) – so und dann stellt man fest das man genau 8 downloads verkauft hat, gut mit dem Risiko muss man leben wenn man ein Produkt anfertigt das keiner haben will – aber wenn nachgewiesen ist das einer den Song einmal gekauft hat und dann online stellte und das ganze Ding an die 2000x illegal runtergeladen wurde dann platzt einem der Kragen aufgrund dieser Ungerechtigkeit und wenn dann eine Partei sowas verteidigt – den Diebstahl – schlimmer gehts nicht. Und was das auspionieren angeht – ja gut so das müsste viel viel mehr sein um den ganzen verbrechen im Internet endlich mal Herr zu werden, ich denke zb an Hacker die eine extreme beleidigende rassenfeindliche Art haben, diese irgendwo posten, und wenn sie dafür gemaßregelt werden legen sie ganze Webseite für Monate lahm – und man kann sie nicht kriegen weil sie alles verschleiern dürfen – so das unterstützen die netten Schreiber hier also ? Verbrecher werden geschützt !!! Und wer bei FB ist wird eh auspioniert, und es soll sogar Menschen geben die nix zu verbergen haben – wow – na sowas haben die denn keinen Dreck am Stecken den man verbergen müsste ? 🙂

  17. DonClaro Says:

    @spyder: irgendwie ist mir ihr gedankengang nicht klar. der werber hat dem kunden nicht nur das endprodukt, den film, verkauft, sondern eine idee, ein konzept. die idee ist eine kreative, geistige schöpfung, der film vereinfacht eine handwerkliche tätigkeit. nach ihrem verständnis ist nur der schutz des handwerklichen teils machbar/sinnvoll?

    wenn ich jetzt hergehe und die idee, das konzept 1:1 übernehme, mit anderen akteuren neu verfilme, kann ich das ihrer meinung nach problemlos tun? was wird dann der erste kunde dazu sagen? nach ihrem verständnis ist die geistige leistung allgemeingut, das jeder – unentgeltlich? – verwenden kann? habe ich das so richtig verstanden?

    und was ist mit der versicherung? wenn nach ihrem verständnis das geistige eigentum ohnehin allgemeingut ist, welche versicherung soll dann was versichern? das verstehe ich nicht.

  18. Karsten Says:

    @ ein weiterer Kopf

    Der Produzent, der heutzutage Geld in eine Produktion investiert, ohne vorher auch nur eine minimale Fangemeinde zu haben UND dann erwartet, dass man das Ding auch direkt kauf, hat auch nichts anderes verdient. Das mag früher gefruchtet haben, aber heut ist’s andersherum:
    Zuerst Werte liefern, Fans sammeln, ein wenig bekannt werden… und DANN verkaufen. Denn dann kaufen die gesammelten Fans auch. Und wenn ich jetzt so drüber nachdenke, ist das auch nicht wirklich neu. Früher mussten Bands lange lange für n Appel und n Ei durch die Lande tingeln, in Autos schlafen, vor 10 Menschen spielen etc. Dann kam auch erst das Label und der eventuelle Erfolg.

    Jetzt sind einfach 2 Dinge anders: 1. Fällt das reale “Klinkenputzen” weg, da man dies wunderbar durch’s Internet besser und effizienter als jemals zuvor erledigen kann. 2. Muss dann auch kein Label mehr auftauchen, sondern man schmeißt seine Werke bei iTunes etc. rein und bekommt die Knete sofort und direkt.

    Und man darf bei den Piraten nicht vergessen, dass sie lediglich das “Urheberrecht” für die private, nichtkommerzielle Kopie/Nutzung reformieren wollen. Bei kommerzieller Nutzung sieht das alles natürlich ganz anders aus.

    Zum Abschluss dann noch: Wenn der Werbefilm erstmal in der Öffentlichkeit ist, kann, konnte und wird auch nie jemand den “Klau” der Idee verhindern können. Und das ist auch gut so. Denn nur so kann darauf aufbauend Neues entstehen und die Idee weitergetragen und -entwickelt werden.
    Frei nach Jean-Luc Godard: “It’s not where you take things from—it’s where you take them to.”

  19. thor73 Says:

    @ein weiterer Kopf:
    »aber wenn nachgewiesen ist das einer den Song einmal gekauft hat und dann online stellte und das ganze Ding an die 2000x illegal runtergeladen wurde dann platzt einem der Kragenaber wenn nachgewiesen ist das einer den Song einmal gekauft hat und dann online stellte und das ganze Ding an die 2000x illegal runtergeladen wurde dann platzt einem der Kragen«

    was natuerlich bedeutet, dass ALLE 2000 leute (oder ist es nur ein klick-counter und der ein oder andere hat 3x, 5x, 10x drauf geklickt?) das teil gekauft haetten. nee is klar.

    wenn ich mir ein video auf youtube ansehe, klicke ich einfach drauf. wenns schrott ist, ist der tab wieder zu bevor das video das 1. drittel abgespielt hat (was natuerlich in diesem beispiel als voller download zaehlen wuerde, weil’s ja angeklickt und gezaehlt wurde).
    wenn ich vorher meine geldboerse oeffnen soll, ueberlege ich ob ich das nun wirklich sehen will oder muss.

    ergo, wenn von den 2000 downloads/klicks noch realistische 5-10 verkaeufe generiert worden waeren, haette das den karren auch nicht aus dem dreck gezogen.

  20. thomas Says:

    @ein weiterer Kopf: noch ein oder zwei weitere ihres Pseudonyms auf ihrem Halse wäre sicherlich dienlich…

    Was mich zu stören beginnt, das ist so eine gewisse aufkommende Anspruchshaltung, dass wirklich jeder, der irgend einen Kram zusammengeschustert hat, dafür jetzt aber soviel Kohle kriegen sollte, dass er davon leben kann. So kommt mir das langsam vor. So als ob Kunst Selbstzweck wäre und nicht Menschen nötig hätte, die durch sie begeistert werden und deswegen dann dafür zahlen und andererseits Menschen, die dafür viel arbeiten müssen und dann irgend wann mal wirklich davon leben können. Das ist kein Startup-Kram, sondern ein langer Weg.

    Zu Ihren Beispielen aus Kommentar 5 kann man sich nur noch die Hand vors Gesicht hauen. Selten so verquere Beispiele gelesen. Äpfel mit dem Inhalt von Büchern vergleichen, dabei noch bissl pathetisch auf die Drüsen drücken (“Mit Liebe und Hege und Pflege” … ). Ganz kleine Kunst.

    Wenn Sie was hochladen, dass dann nur 8 mal gekauft, aber 2000 mal geshared wird, dann sollten Sie nicht rumlamentieren und anfang mit weinen und den Menschen ihre boshafte Sucht nach Neuem vorwerfen, sondern weitere Sachen produzieren und dann hochladen, von denen dann vielleicht beim nächsten Mal 30 gekauft und 6000 geshared werden. Und beim dritten Mal werdens schon 100 verkaufte. Alles andere zu verlangen ist ganz einfach nur gierig und vergisst den Weg zu dem Zustand, ab dem man von Kunst leben kann: der ist lang und beschwerlich und der soll auch so sein und bleiben.

    WEN DIE KUNST NICHT MÜHT, DER MÜHT SICH NICHT FÜR DIE KUNST. Und der hat deswegen auch keinen müden Taler verdient.

  21. horst Says:

    Selten so einen schwachsinn gelesen Herr Dingens von der Verbrecherpartei, sorry Piratenpartei – aber ist ja nach definition etwa das gleiche.
    Google, spotify und andere Totengräber der Kreativen sind also laut Ihnen “…die Orte, an denen heute unsere Kultur geschöpft wird, die ‘Kostenloskultur’, wie sie von den Angestellten und Krämern der Kulturindustrie geschmäht wird.” ZITAT ENDE

    Ich bin fassungslos über so eine unglaubliche Aussage. Kulturschöpfung findet in Tonstudios, Proberäumen, Autorenbuden, Ateliers etc. statt. Was sie wohl meinten ist “….die Orte, an denen heute unsere Kulturschaffenden AUSGEBEUTET werden…..” Google und Konsorten verdienen Milliarden mit der Arbeit anderer Leute und Sie und ihre Mitläufer lassen sich vor den Karren von amerikanischen Riesenkraken spannen. Mein Gott ist das unfassbar was da verzapft wird.

    Viel Spass beim Massendiebstahl so lange es noch geht und so lange überhaupt noch etwas da ist zum Stehlen.

  22. Kein Wahlprogramm, keine Meinung, keine Ahnung | kuef's SQUAWK Says:

    […] Ein Blogbeitrag zum “Mein Kopf gehört mir” Artikel im Handelsblatt […]

  23. urhe bear Says:

    Das Urheberrecht ist dazu geschaffen den Autoren/Urheber zu schützen.
    Wer es aufweichen oder abschaffen möchte,der kann ja nur zum Ziel haben,
    die großen Medien und Internet Konzerne noch mächtiger und reicher zu machen als sie es eh schon sind. Mit Freiheit hat das nichts zu tun.

  24. Liboria Says:

    @urhe bear
    Das Urheberrecht ist dazu geschaffen worden, damit Menschen, die nichts können sich als Mittler zwischen Künstler und Kunstliebhaber aufplustern und reich dabei werden können.

  25. Manfred Gillig Says:

    Hallo Herr Blumtritt,
    Zwei Fragen hierzu:
    Stimmt es, daß Sie mit MediaCom unter anderem für Warner Music und Universal Music arbeiten?
    Und wenn es stimmt: Wie haben denn diese Kunden, die doch sicher ziemlich viel Geld bei MediaCom hinterlassen, auf Ihren Text reagiert?

  26. jbenno Says:

    @ Manfred Gillig

    Hallo Herr Gillig,

    ich hoffe Sie verstehen, dass ich dazu hier nichts sagen kann und will. Es gab letzte Woche einige Reaktionen auf wuv.de zu lesen.

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